Auszug aus dem Handlungsleitfaden der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Umsetzung von § 20 Abs. 1 und 2 SGB V vom 21. Juni 2000 in der Fassung vom 27. Juni 2001
Der Handlungsleitfaden regelt, welche Präventionsmaßnahmen von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert werden und welche Qualifikationen die Anbieter erfüllen müssen.
Die Gesamtfassung des Handlungsleitfadens finden Sie unter www.bkk.de/gesundheit/arbeit_und_gesundheit
4.2.4 Genuss- und Suchtmittelkonsum
Präventionsprinzip: Verantwortlicher Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln
- Bedarf
Alkohol und Nikotin gehören zu den potentiell gesundheitsgefährdenden und abhängigkeitserzeugenden Genussmitteln mit einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz und alltäglichen Präsenz. Der leichtfertige und medizinisch nicht begründete Umgang mit Medikamenten oder der Konsum illegaler Drogen führen ebenfalls zu erheblichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgeproblemen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Übergängen und Grenzen zwischen risikoarmen/riskantem/gefährlichem Konsum bzw. Hochkonsum fehlt. Etwas 4 Mio. Erwachsene sind durch Alkoholmissbrauch oder –Abhängigkeit gefährdet; dies entspricht einem Anteil von 8-9 % der 18-59–Jährigen. 43 % der Männer und 30 % der Frauen sind Raucher (1). Auch ein nicht-exzessiver Alkoholkonsum sowie Rauchen stellen Risiken z.B. für Herz-Kreislauferkrankungen dar. Der riskante, schädliche und hohe Konsum von Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin, der Missbrauch von Medikamenten sowie der Konsum illegaler Drogen können zu erheblichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgeproblemen führen (2).
- Wirksamkeit
Die Wirkung unterstützender Interventionen zur Kontrolle des Genuss- und Suchtmittelkonsums ist belegt (3).
- Zielgruppe
Versicherte mit riskantem, schädlichem Konsumverhalten
- Ziel der Maßnahme
- Förderung eines kritischen und bewussten Umgangs mit Genussmitteln
- Stärkung der persönlichen Kompetenzen im gesundheitsbewussten Umgang mit Belastungen
- Förderung eines positiven gesellschaftlichen Images eines gesundheitsbewussten und suchtmittelfreien Lebens.
- Inhalt
- Aufklärung über physische und psychische Wirkung von Genuss- und Rauschmitteln
- Reflektion von Genussfähigkeit und Belastungsbewältigung unter besonderer Berücksichtigung von Erfahrungen mit psychisch wirksamen Substanzen
- Reflektion des persönlichen Konsums und Sensibilisierung für die Übergänge zwischen Genuss- Missbrauch- Abhängigkeit
- Vermittlung von Wissen hinsichtlich der Entwicklung von nikotin- und alkoholassoziierten Erkrankungen sowie von Abhängigkeit
- Darstellung von Hilfs- und Behandlungsmöglichkeiten
- Förderung protektiver Faktoren
- Stärkung von persönlichen Ressourcen
- Methodik
- Schaffung geeigneter Kommunikation- und Informationsstrukturen
- Die spezifische Ausrichtung auf die jeweilige Zielgruppe in der methodischen und inhaltlichen Umsetzung ist zwingend erforderlich
- Bei Bedarf Einbindung von Familienangehörigen sowie Berücksichtigung sozialer Systeme und peer-groups
- Aufsuchende Programme zur Alkohol- und Drogenprävention (z.B. Schule)
- Verhaltensorientierter Ansatz in Gruppen
- Anbieterqualifikation
Zur Durchführung entsprechender Maßnahmen kommen Fachkräfte mit einer staatlichen anerkannten Ausbildung im Bereich psychosoziale Gesundheit in Betracht, insbesondere
- Diplom-Psychologen
- Pädagogen (Diplom/Magister)
- Diplom-Sozialpädagogen
- Diplom-Sozialarbeiter
- Sozialwissenschaftler (Diplom/Magister)
- Gesundheitswissenschaftler (Diplom/Magister)
- Ärzte
mit gültiger Zusatzqualifikation im jeweiligen Bereich der Suchtprävention (z.B. Alkohol, Medikamente, Nikotin).
- Bundesregierung: Sucht- und Drogenbericht 1998. In: Grigoleit, H.; Wenig, M.; Hüllinghorst, R. (1999): Handbuch Sucht, St. Augustin
- Expertise zur Primärprävention des Substanzmissbrauchs (Bundesministerium für Gesundheit, 1993); Modellprogramm „Mobile Drogenprävention“ (Bundsministerium für Gesundheit, 1997); Geschlechtsbezogene Suchtprävention (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 1998); Prävention durch Angst? (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 1998); starke Kinder brauchen starke Eltern (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 1999); Schätzwertstudie: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland (Bundesministerium für Gesundheit, 2000)
- Siehe u.a. Kröger, C.; Sonntag, H.; Shaw, R. (2000): Raucherentwöhnung in Deutschland. Grundlagen und kommentierte Übersicht. Im Auftrag der BzgA, Köln
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